Ob mit oder ohne Superstar Timo Boll

Bild TSV: Mit oder ohne Timo Boll...Kommt es in der Shakehands-Arena zum erneuten Aufeinandertreffen zwischen Kilian Ort und dem Superstar? Bild TSV: Mit oder ohne Timo Boll...Kommt es in der Shakehands-Arena zum erneuten Aufeinandertreffen zwischen Kilian Ort und dem Superstar?
Der Serienmeister Borussia Düsseldorf als Höhepunkt der Vereinsgeschichte des TSV
Bad Königshofen (rd) Dieses Spiel ist nicht nur das Tischtennis-Highlight des einziges Bundesligisten in Bayern und der Region. Es ist das absolute Highlight in der Geschichte des TSV 1861 Bad Königshofen, der aktuellen Mannschaft, jedes einzelnen Spielers. Es ist das Top-Ereignis nicht nur der Tischtennis-Abteilung, sondern des ganzen, 870 Mitglieder starken Vereins. Dessen Fußballer extra ihr Spiel verlegten, um das 60 Personen starke Helferteam unter den besonderen Umständen in und um die Shakehands-Arena herum zu unterstützen. Der Saison-Terminplan der TTBL schickt am vorletzten Spieltag mit Borussia Düsseldorf die Mannschaft des renommiertesten Tischtennisvereins der Welt, den mehrfachen Championsleague-Sieger und 29-fachen Deutschen Meister ins Grabfeld. Zu jenem TSV Bad Königshofen, gegen den er im Hinspiel, am 26. November, dem achten Spieltag, die erste Saison-Niederlage (2:3) beziehen musste.
Damals horchte ganz Tischtennis-Deutschland auf. Bis dahin war bei allem Respekt dem TSV bestätigt worden, dass er eine echte Bereicherung für die TTBL sei. Man hatte die erfrischend offensiv aufspielende, blutjunge Mannschaft gern zu Gast: Endlich mal neue Gesichter in der Liga. Die für Top-Spannung und herrliche Ballwechsel sorgte und doch die Punkte da ließ. Und in dieses unbekannte Bad Königshofen reiste man auch gerne, weil dem Publikum ein Ruf voraus eilte, vor ihm fühle man sich selbst als Gegner inspiriert und motiviert und für seine sportliche Präsentation wertgeschätzt. Der ganzen Sportart tue dieser frische Wind gut. Dem „Wunder von Düsseldorf“, wie es im bundesweiten Pressewald genannt wurde, haftete nur der Makel an, dass der Superstar Timo Boll nicht mit von der Partie war. Der war damals die Nummer 3 der Welt.
Im Rückspiel werde er deshalb bestimmt dabei sein, wurde beim TSV gefolgert. Man wolle doch kein zweites Mal gegen den Newcomer verlieren und vielleicht sogar die Final Four aufs Spiel setzen. Inzwischen ist viel Wasser die Saale und den Rhein runter geflossen. Timo Boll ist sogar die Nummer 1 der Welt. Er wurde zum zwölften Mal Deutscher Einzelmeister in Berlin und stand vor 14 Tagen im Finale dem Königshöfer Kilian Ort, Nr.287 der Welt, gegenüber. Das hätte nicht besser passen können vor diesem Spiel. Es war dann eine Routine-Angelegenheit für Boll, das Highlight seiner bisherigen Karriere für den 21-jährigen Königshöfer. Dessen Respekt vor dem Großmeister von vor dem Finale („einen Herrn Boll spricht man nicht einfach mal so wie andere Spieler an“) ist nach der 0:4-Niederlage nicht kleiner geworden. Ob man sich in Bad Königshofen wieder sehe, fragte er ihn und bekam keine endgültige Antwort. Eine E-Mail-Anfrage dieser Zeitung an die Borussia blieb unbeantwortet.
Schließlich ist es auch ein Treffen frisch gebackener europäischer Landesmeister und Medaillengewinner. Düsseldorf hat außer Boll noch den schwedischen Meister Kristian Karlsson (WR 17), den schwedischen Einzel-Dritten und Doppel-Meister Anton Källberg (WR 63) sowie den österreichischen Vizemeister Stefan Fegerl (WR 40) aufzubieten. Da am vorletzten Wochenende in ganz Europa die nationalen Titelkämpfe ausgetragen wurden, trugen auch drei Noch- und Bald-Königshöfer zu diesem Medaillen-Treff bei. Kilian Ort mit seiner Silbermedaille von Berlin, während Darko Jorgic slowenischer Meister im Einzel und im Doppel und sein Nachfolger im TSV-Team Bence Majoros ungarischer Meister im Einzel und Doppel und Dritter im Mixed wurde.
Das TSV-Trio Ort, Jorgic und Mizuki (mit Trainer Itagaki) spielte in dieser Woche in Spala die Polish Open (13.-17. März), weshalb Andy Albert ihnen alles Gute wünscht, aber auch, dass sie nicht zu weit und deshalb rechtzeitig nach zehnstündiger Fahrt heim kommen. „Dieses Turnier hat schon in der ersten Hälfte gezeigt, dass es in Europa noch einige Darkos gibt. Wir sind natürlich alle heiß auf dieses Spiel. Die Spieler freuen sich auf die volle Halle und wir haben ja nichts zu verlieren. Es soll nur noch mal ein tolles Spiel und ein Highlight für unser treues Publikum werden, bei dem sich unsere Jungs mit einer tollen Leistung bedanken wollen.
Neben sensationellen Ballwechseln erwartet die Zuschauer, ob mit oder ohne Timo Boll, ein im letzten Heimspiel vor Mitte August ein sportliches Spektakel, an dem sich der Deutsche Vizemeister Kilian Ort allzu gern in seiner Berliner Form vorstellen und eine von vielen Schwierigkeiten geprägte Saison von ihm mit einer guten Vorstellung abschließen möchte. Schließlich gibt es zum letzten Mal in einem Heimspiel Darko Jorgic im Trikot des TSV Bad Königshofen zu sehen. Er entwickelte sich in einer Saison in einem derartigen Tempo, dass er einfach nicht mehr zu halten war.
 
Das Rätsel löst der Hotelportier
 „Kommt er oder kommt er nicht?“ Diese Frage war die meist gestellte rund um das Gastspiel des erfolgreichsten Tischtennisvereins der Welt Borussia Düsseldorf und wurde zig-fach an verschiedene Verantwortliche des TSV Bad Königshofen gestellt. Dass mit „er“ Timo Boll gemeint war, erübrigte sich. Und die nächste Frage: „Gibt´s noch Karten?“ Hierzu zwei Antworten, Stand Donnerstag beim Erstellen dieses Beitrags: Boll hat weder abgesagt noch zugesagt. Was spricht dagegen, dass die Nummer 1 der Welt in der Shakehands-Arena aufschlägt? Er wurde am 8. März 37 Jahre jung und hat ein straffes Programm hinter sich. Und er hat angekündigt, mit der „Viel-Spielerei“ etwas kürzer zu treten. Dabei flog er nach der Deutschen Meisterschaft von Berlin aus direkt weiter zu den Katar Open, einem Platin-Turnier der absoluten Weltelite, und scheiterte im Viertelfinale an Ochsenhausens Brasilianer Hugo Calderano. Bundestrainer Jörg Roßkopf kündigte an, Boll, der „nach einem zweiwöchigen Urlaub kalt in die Deutsche Meisterschaft gegangen“ sei, gezielt auf die German Open in zwei Wochen in Bremen vorzubereiten. Außerdem ist die Teilnahme von Borussia Düsseldorf am Final Four gesichert.
Dafür, dass er kommt, spricht aber gleichzeitig, dass Platz 1 noch nicht endgültig gesichert ist, der bei den Play Offs nach Hin- und Rückspiel (bei denen nur Sieg oder Niederlage, nicht die Höhe entscheidet) für ein Entscheidungsspiel Heimrecht garantiert. Dass das Grabfeld als bisher unbekannte Gegend in Deutschland den Globetrotter besonders reizt oder gar eine Revanche für das DM-Finale gegen Kilian Ort, ist eher auszuschließen. Unentschieden ist die Frage, ob sich der 29-fache Deutsche Meister eine zweite Niederlage gegen den Bundesliga-Neuling für sein Image leisten will. Das Hinspiel in der ARAG-Arena in Düsseldorf gewann der TSV mit 3:2. Andererseits bestreitet Bolls Mannschaft am Freitagabend in Ochsenhausen ein Champions-League-Spiel – höchstwahrscheinlich mit ihm. Und Bad Königshofen, wo in einem Hotel fünf Zimmer für die Borussia bestellt sind, ist nur den Katzensprung von drei Stunden entfernt. Das Rätsel um Boll wird wohl frühestens der Hotelportier lösen können.
Nun zur zweiten Frage: Der Innenraum ist ausverkauft. Es gibt noch Karten auf dem Oberrang.. Unsere Frage an den Manager des TSV Bad Königshofen Andy Albert, was vor diesem Spiel von der Organisation her anders als sonst sei? „Die gleiche Arbeit, nur doppelt so viel“, war seine spontane Antwort, „weil wir ja auch doppelt so viele Zuschauer erwarten wie bei einem normalen Spiel. Der Kartenvorverkauf bzw. die Bestellungen begannen ja bereits zu Saisonbeginn, nahmen im Januar zu und nach dem Erfolg von Kilian Ort in Berlin noch einmal. Die letzten zwei Wochen kam alle paar Minuten eine E-Mail, brauche so und so viele Karten.“ Normalerweise trifft sich der harte Kern der Verantwortlichen ein Mal vor einem Heimspiel. Diesmal sei man schon vier Mal zusammen gekommen, weil die ganzen Sicherheitsaspekte, denen man bisher schon gerecht geworden war, neu überdacht und überarbeitet werden mussten. Demnach werde es in der Halle zwei zusätzliche, also vier Karten-Verkaufsstände geben. Einlass ist am Sonntag ab 13 Uhr. Von da an wird auch für Verpflegung gesorgt sein.
Auch die Anzahl der Catering-Verkaufsstände wurde verdoppelt, hinzu kommen zwei Fanartikel-Stände. Extra für diesen Event wird das 60-köpfige Helferteam durch die Fußballer des TSV unterstützt, die ihr Spiel von Sonntag auf Samstag vorverlegt haben. Albert weist darauf hin, dass die Parkplätze in unmittelbarer Nähe der Halle begrenzt sind. Auf keinen Fall sollen der Fußgängerweg „Judenpfad“ und Grünflächen im Bereich der Halle beparkt werden. Hingewiesen wird auf alle im Stadtplan ausgewiesenen Parkmöglichkeiten. Für besonders empfohlene und eine kurzfristig dazu gewonnene Parkfläche werden spezielle „Shakehands“-Schilder angebracht.
 
Wie Freiburg gegen Bayern
Kilian Orts Einschätzung von Borussia Düsseldorf, Timo Boll & Co
Was hat Borussia Düsseldorf Bayern München voraus? Zwei Deutsche Meisterschaften (29 zu 27). Insgesamt stolze 68 Triumphe zieren den Briefkopf der „Macht am Rhein“ mit weiteren 25 Pokalsiegen und 14 auf europäischer Ebene. Am Ende der vergangenen Saison standen das Double und das Champions-League-Finale. Der Saison-Höhepunkt der Bad Königshöfer Tischtennis-Mannschaft ist gewiss ein anderer als der des Serienmeisters Borussia Düsseldorf, der diesen Sonntag in der Badestadt gastiert. Das Triple hat sich die Truppe von Trainer Danny Heister vorgenommen.
Das Team um Timo Boll wird natürlich tunlichst vermeiden wollen, im Jahr ihrer demnach geplanten 30. Deutschen Meisterschaft ein zweites Mal gegen den Neuling zu verlieren. Ein hochprozentiger Sieg-Garant wäre ohne Zweifel Timo Boll, der beste und nicht nur wegen seiner Erfolge beliebteste deutsche Tischtennis-Spieler aller Zeiten. Eine schier endlos lange Liste füllen die herausragenden Erfolge der aktuellen Weltranglisten-Nummer 1. Ein kurzer Auszug: Im Einzel zwölf Deutsche Meisterschaften, sechs EM-Titel, mit der Mannschaft fünf Champions-League-Siege, sechs Deutsche Meisterschaften, sechs Pokalsiege, Silber und Bronze bei Olympia. Im Finale zu seinem zwölften nationalen Titel schlug er vor zwei Wochen in Berlin den Bad Königshöfer Kilian Ort, der seinerseits vorher drei Nationalspieler ausgeschaltet hatte.
Was sagt Vizemeister Ort über Meister Boll? „Er ist einer der sichersten und komplettesten Spieler auf der Tour. Oftmals sieht es so aus, als spiele er gar nicht so fest. Man hat dann das Gefühl, man muss mehrmals den Punkt machen, dass der Schiedsrichter die Tafel umblättert. Er hat ein sehr gutes Aufschlag-Rückschlag-Spiel. Das sieht manchmal gar nicht so spektakulär aus. Er platziert die Bälle aber sehr gut und muss da nicht immer 100 Prozent spielen. Meine klare Niederlage in Berlin gegen ihn macht mich nicht verrückt. Da sind schon ganz andere Leute so gegen ihn von der Platte gegangen. Er ist eine Legende nicht nur im Tischtennis, sondern im gesamten Sport. Wenn ein Tischtennisspieler bei Olympia die Fahne für Deutschland tragen darf, dann sagt das was aus über seinen Stellenwert bei den anderen Sportlern. Man kann sagen, der liebe Gott hat´s gut mit ihm gemeint, als er die Talente vergeben hat. Damit ist er reich gesegnet. Nummer 1 der Welt wird man aber nicht nur mit Talent.“
Der Jüngste im Team ist der Schwede Anton Källberg, Jugend-Europameister 2015. Kilian Ort über den ein Jahr Jüngeren: „Er ist eine der großen Nachwuchshoffnungen in Europa. Er hat schon zwei Mal in Bad Königshofen gespielt und sich seither noch einmal weiter entwickelt. Seine besondere Stärke ist die Tisch-nahe Rückhand. Mit 20 Jahren eine der besten Bilanzen der Liga, das sagt schon Einiges.“ Ort zu Källbergs Landsmann Kristian Karlsson: „Er ist Linkshänder und beidseitig sehr stark, besonders bei den kurzen Bällen über dem Tisch. Er und Anton sind zwei sehr, sehr nette Kerle, mit denen ich oft in Düsseldorf im Training bin. Als Nummer 17 der Welt muss man gar nicht viel über seine Klasse reden.“ Und über Stefan Fegerl: „Er wurde mit Österreich schon Mannschafts-Europameister im Endspiel gegen Deutschland Er hat auch schon den zweimaligen Weltmeister und Olympiasieger Zhang Jike aus China bezwungen und kommt immer erst zwei, drei Tage vor den Spielen. Er zeichnet sich durch seine sehr gute Rückhand und sein starkes Passiv-Spiel aus, bringt viele Bälle zurück und blockt sehr gut. Mit dem Holländer Danny Heister haben sie noch einen ehemaligen Weltklassespieler als Trainer an der Box.“
Wie sieht Kilian Ort die Aussichten seiner Mannschaft? „Das Champions-League-Spiel am Freitag in Ochsenhausen ist für sie bestimmt das wichtigere. Sie sind aber Profis genug, um gegen uns gewinnen zu wollen. Die wollen wie die Bayern jedes Spiel gewinnen. Ich glaube, im Hinspiel haben sie uns doch etwas unterschätzt. Das werden sie jetzt auf keinen Fall mehr tun, noch dazu vor der Zuschauermenge. Ein 50:50-Spiel ist es nicht für uns. Aber eine Mini-Chance haben wir. Wir sind immer noch Freiburg gegen Bayern München, versuchen aber alles zu geben und das Publikum hinter uns zu bringen. Der Anton kennt das, war schon zwei Mal da und wird sie darauf vorbereiten.“ Wie sagt ein koreanisches Sprichwort: „Ein Affe fällt auch ein Mal vom Baum.“ Zwei Mal hintereinander aber selten.

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