Er ist wieder da

Bild TSV: Da war die Welt noch in Ordnung für Kilian Ort, siehe Spielstand an der Zähltafel: Nur wenige Minuten später hatte er den fünften Satz gegen Ruwen Filus mit 11:13 verloren Bild TSV: Da war die Welt noch in Ordnung für Kilian Ort, siehe Spielstand an der Zähltafel: Nur wenige Minuten später hatte er den fünften Satz gegen Ruwen Filus mit 11:13 verloren
Kilian Ort spielt trotz Niederlage gegen Ruwen Filus wie in besten Zeiten auf
Bad Königshofen (rd) Nein, diesmal gab es kein Tischtenniswunder in Bad Königshofen. Der Düsseldorf-Bezwinger des Vorsonntags aus Osthessen hielt auch den Grünwettersbach-Bezwinger aus Unterfranken in Schach und gewann, wie im Hinspiel, mit 3:1. Ob er – noch – eine Nummer zu groß ist für den Aufsteiger, mag dahingestellt bleiben. Ein Konjunktiv sollte aber dennoch erlaubt sein: Was wäre gewesen, wenn Kilian Ort gegen den Nationalspieler Ruwen Filus, die aktuelle Nummer 18 der Weltrangliste, beim Stand von 11:11 im fünften Satz die nächsten zwei Bälle nicht verloren, sondern gewonnen hätte? Man wäre mit 1:1 statt mit 0:2 in die Pause gegangen und danach bezwang Mizuki Oikawa den Timo-Boll-Bezwinger Jonathan Groth. Und dennoch sollte die Kirche beim Dorf bleiben: Der Aufsteiger TSV Bad Königshofen wird die Bundesliga nicht auf den Kopf stellen, und Fulda ist ein heißer Kandidat fürs Final Four, möglicherweise fürs Finale um die Deutsche Meisterschaft.
Die 802 Zuschauer, unter ihnen ein Bus voll Fans aus Fulda, sorgten für eine grandiose, bilaterale, sportliche Stimmung in der Shakehands-Arena. Und die sechs Sportler zeigten ein Feuerwerk ihres hohen Könnens. Ein Zuschauer aus Mellrichstadt wollte beim Verlassen der Halle „Tischtennis von einem anderen Stern“ gesehen haben, ein anderer aus Thüringen „Fulda vielleicht um ein My besser.“ Am Anfang schien es, als ginge das Pokerspiel der Einheimischen mit der Aufstellung, Ort an 2 und Oikawa an 3 zu stellen, auf. Es war wohl eine Reaktion auf die Hinspiel-Ergebnisse. Das Publikum war vom ersten Ballwechsel an angefixt, durch den Einheizer, Hallensprecher Jürgen Halbig und in der Folge durch den ersten Satz, den Darko Jorgic gegen den Deutsch-Chinesen Wang Xi mit 11:9 für sich entschied. Sollte er tatsächlich das Rezept gegen den doppelt so alten Routinier gefunden haben?
Doch dann zeigte Tischtennis wieder einmal seine spezifischen Launen: Wenn du denkst, du hast ihn im Sack, kommt es doch anders als man dachte. Siehe Oikawa eine Woche vorher gegen Ricardo Walther! Xi demonstrierte, ebenso wie später sein Kollege Ruwen Filus, was man unter modernem Abwehrspiel zu verstehen hat. Jorgic führte 7:3 im zweiten Satz, dann schien ihm auf einmal der Stecker gezogen. Er verlor mit 8:11. Der dritte (1:11) riecht nach Deklassierung, aber nur vom Ergebnis her. Im vierten (8:11) machte sich deutlich: Auch einem Jorgic kann der Arm schwer werden. Die sonst so coole Socke aus Slowenien war angeknockt. So etwas hatte er in Deutschland noch nie erlebt.
Im zweiten Spiel traf Kilian Ort bei seinem Comeback auf den Nationalspieler Ruwen Filus, der zur selben Trainingsgruppe in Düsseldorf gehört. Ein Mal, bei den Deutschen Meisterschaften 2017 in Bamberg, war er im Viertelfinale ganz nah dran an einem Sieg. Diesmal noch näher. Es reichte aber wieder nicht gegen den 29-Jährigen. 4:11 im ersten Satz, da spielte Ort noch, als suchte er und fände sie nicht: Die Formel, wie man einen modernen Abwehrspieler knackt, der urplötzlich in Angriff umschaltet und seinem Gegner einfach keinen Rhythmus finden lässt. 11:4 im zweiten: Jawohl, so geht’s. War das ein Comeback von Kilian Ort nur in diesem Satz oder gar von seiner Gesamtverfassung her, nach beruflichen Störmanövern und einer erneuten Verletzung? Wieder 4:11 im dritten, aber um einiges besser als im ersten Satz. Und das Publikum hatte längst gespürt, dass Ort seine Unterstützung brauchte. Er war ja auch wieder da, wie in seinen besten Zeiten, gewann den vierten Durchgang mit 11:6. Und im fünften stand es von Beginn an Spitz auf Knopf, hatte keiner von beiden mal mehr als einen Punkt Vorsprung – bis 9:9, 10:10 und 11:11. Erst dann: 11:13 für Ruwen Filus, dessen Gesichtsausdruck zu verraten schien: „Vielleicht war´s das letzte Mal. Noch ein Jahr, Kilian, dann hast du mich.“
Nach der Pause stellten sich die 160 Zentimeter geballte Kraft von Mizuki Oikawa dem dänischen Helden vom Sieg über Borussia Düsseldorf Jonathan Groth entgegen, der immerhin acht Tage zuvor der Nummer 3 der Weltrangliste Timo Boll die erste Saison-Niederlage beigebracht hatte. Und „Mitsou“ schaffte es diesmal auch ohne Unterstützung von Christian Bregulla an der Musikbox. Jeder, aber auch jeder konnte sehen, warum dieser Groth Boll schlagen konnte. Jeder konnte aber auch sehen, dass der kleine asiatische Kampftiger zurzeit keinen Gegner fürchten muss. Er ließ sich vom Publikum tragen, nahm die Endlos-Rallys mit manch vergebenem Schlag unbeeindruckt hin und gewann den ersten Satz 11:9, den zweiten mit 11:7. Als hätte man ihm gar nicht verraten, was Groth letzte Woche geleistet hatte. Der dritte Satz dürfte in die Annalen der TT-Abteilung des TSV Bad Königshofen eingehen: Trotz 10:6-Führung kam Groth noch einmal auf 10:10 heran, hatte selber zwei Satzbälle und überließ Oikawa erst mit dessen neuntem (!) Matchball zum 18:16 den Satz und Sieg zum Anschluss-1:2.
Darko Jorgic klaute anschließend nach 8:10 Ruwen Filus zwar noch den ersten Satz mit 12:10 und man dachte, …, dass man im Tischtennis nie zu früh Endergebnisse denken soll. Danach demonstrierte Filus, warum und wie er in der Weltrangliste (18.) so hoch wie noch nie steigen konnte. Während Jorgic nach seinem Flow von Grünwettersbach auf den Boden zurück geholt wurde – ohne zu enttäuschen. Er versuchte alles, hat aber gegen diese Sorte von Abwehr- und Angriff-Spieler zugleich noch nicht die probaten Mittel. Filus hatte meistens die bessere Antwort und vor allem das letzte Wort. TSV-Manager Andy Albert sah hinterher fast nur Gewinner des 2:50-Stunden-Matches: „Den Sieger, dem wir herzlich gratulieren, den Zuschauern für dieses Spitzensport-Erlebnis und vor allem unserem Kilian: Ich glaube, er ist wieder da.“
Ergebnisse:
Jorgic – Wang Xi 1:3   (11:9/8:11/1:11/8:11)
Ort – Filus 2:3   (4:11/11:4/4:11/11:6/11:13)
Oikawa – Groth 3:0  (11:9/11:7/18:16)
Jorgic – Filus 1:3  (12:10/10:12/5:11/7:11)
Sätze: 7:9
Oberschiedsrichter: Martin Jendert
Zuschauer: 802

Letzte Änderung am Sonntag, 28 Januar 2018 21:12

Termine TTBL

Fr, 31. Aug. 19:00 Uhr
TTC Zugbrücke Grenzau - TSV
So, 02. Sep. 15:00 Uhr
TSV - TTC RhönSprudel Fulda
So, 09. Sep. 15:00 Uhr
ASV Grünwettersbach - TSV
Sa, 29. Sep. 19:00 Uhr
TSV - TTC Bergneustadt
So, 30. Sep. 15:00 Uhr
TSV - 1.FC Saarbrücken

Nächsten Spiele

Keine Termine

Saisonheft


Hier Downloaden

Zum Seitenanfang