Ungewohnte Harmonie-Probleme

Bild TSV: Eine solide Leistung abgeliefert, letztlich aber keine reelle Siegchance hatte Bad Königshofens Filip Zeljko gegen den Saarbrückener Nationalspieler Patrick Baum Bild TSV: Eine solide Leistung abgeliefert, letztlich aber keine reelle Siegchance hatte Bad Königshofens Filip Zeljko gegen den Saarbrückener Nationalspieler Patrick Baum
Ohne Oikawa und mit Grippe-geschwächtem Jorgic ohne Chance im Saarland
Bad Königshofen (rd) Die Euphorie und Harmonie, erzeugt durch großartige Leistungen und drei Siege, konnte der Bundesliga-Neuling TSV Bad Königshofen nicht ins neue Jahr mit hinüber nehmen. Dazu war ohne eigenes Zutun zu viel passiert. Die Chancen auf einen Sieg beim 1. FC Saarbrücken TT, der eine Woche zuvor erst im DTTB-Pokalfinale an Borussia Düsseldorf gescheitert war, waren nicht eben hoch gewesen. Erst diese Unruhe um den von den Saarländern ohne jede Absprache verkündeten Wechsel des Königshöfers Darko Jorgic zu ihrem Verein. Hinzu kommend das schon vor der Saison vereinbarte Fehlen von Mizuki Oikawa, der für seinen Verband bei den gleichzeitig ausgetragenen Japan Open antreten musste. Der aber auch bei der 2:3-Hinspielniederlage beide Punkte gegen die Saarbrückener Tokic und Franziska geholt hatte. Zudem: In dieser Besetzung hatten die Königshöfer noch nie gespielt. Was heraus kam, war die höchste, bisher einzige 0:3-Niederlage und die kürzeste (1:54 h) Spielzeit.
Der Auftakt , besser gesagt der erste Satz des Nachmittags, sah aber sehr gut aus für die Gäste aus dem Grabfeld. Darko Jorgic zeigte sich erst mal von seiner Schokoladenseite und gewann ihn kurz und bündig mit 11:4 gegen den dreifachen Team-Europameister und Olympia-Bronzemedaillengewinner Patrick Franziska. Schien die Taktik von TSV-Coach Koji Itagaki wirklich aufzugehen? Er hatte „DJ“, Darko Jorgic, an Position 2 gesetzt, damit der das erhoffte fünfte Spiel würde bestreiten können. Dann hätte er aber sein erstes Match gewinnen und Kilian Ort oder Filip Zeljko einen Punkt beitragen müssen. Im zweiten Satz ging der junge Slowene aber mit 4:11 regelrecht unter. Das war die andere Seite des Darko Jorgic, die er beim TSV zwar auch schon ab und an zeigte, aus der er sich aber in Bestform immer zu befreien wusste.
Symptomatisch für ihn dann die ersten 14 Punkte des dritten Satzes. 9:5 führte Jorgic, ehe sich der Knick der Partie anbahnte. Bei 9:8 holte ihn Itagaki zum Timeout, das aber wirkungslos verpuffte zum 9:11-Satzverlust. Auch der vierte Satz zeigte zwei verschiedene Jorgic: Den mit negativer Körpersprache, hängenden Schultern und enttäuschter Mimik - bis 2:7. Dann den aggressiven „DJ“, wie man ihn in der zweiten Hälfte der Hinrunde kannte: gierig, selbstbewusst und höchst entschlossen. Er kam auf 9:9 heran, wehrte zwei Matchbälle ab und verlor doch noch mit 10:12. Somit 0:1-Rückstand für den TSV, eine gefühlte Vorentscheidung. „Er hat mich nicht enttäuscht“, nahm ihn Andy Albert in Schutz. „Er hatte zwei Wochen lang die Grippe. Es war lange überhaupt nicht klar, dass er überhaupt spielen würde.“
Wie würde sich Kilian Ort nach fünf Wochen Bundeswehr- und zwei Wochen DTTB-Kader-Lehrgang in seinem ersten Wettkampf seit dem 19. November zurück melden. So viel vorweg: Relativ gut. Wobei jeder, der sowohl ihn als auch seinen Gegner Bojan Tokic kennt, wusste, dass der erste Satz kein reales Spiegelbild des Leistungsvermögens der Beiden war. Ort ging rasch mit 5:0 in Führung. Tokic fand überhaupt keinen Rhythmus. Und Ort nutzte diese Phase mit extrem kurzen Ballwechseln hoch konzentriert spielend für sich und brachte den Vorsprung bis zum 11:5-Satzgewinn durch. Im zweiten Durchgang sah es aber schon anders aus. Der Slowene nutzte jetzt, dass Ort vielleicht etwas zu offensichtlich seine Rückhand umlief, in Folge dessen seine Vorhandseite entblößte, und baute darauf konsequent seinen Matchplan auf. Hinzu kam, dass dem Königshöfer kein probater Aufschlag-Return einfiel. Sowohl defensiv als auch offensiv hatte er Probleme und wurde zunehmend in die Rolle des Reagierenden gedrängt.
Den dritten Satz hätte ich gewinnen müssen“, haderte Kilian Ort hinterher. „Da war ich bis 8:9 immer dabei und hatte bei den entscheidenden Bällen ziemlich Pech.“ 8:11 endete dieser. Im vierten aber lag die Dominanz eindeutig auf Seiten von Bojan Tokic, dem 37-jährigen slowenischen Nationalmannschaftskollegen von Jorgic (19), der seit dem Jahr 2000 ununterbrochen in der 1. Bundesliga spielt. Früchte von16 Jahre mehr an Erfahrung – 0:2 zur Pause.
Damit hätte die Last auf den Schultern des Königshöfer Ersatzmannes Filip Zeljko in seinem vierten Bundesliga-Einsatz nicht größer sein können. „Er hat sehr gut gespielt“, lobte ihn Albert, während Kilian Ort auch sah, dass er „seine drei Sätze klar verlor, den einen denkbar knapp gewann.“ Im ersten zeigte Zeljko dem Juniorenweltmeister von 2005 Patrick Baum, neben Franziska zweiten deutschen Nationalspieler, zweifachen Vizeeuropameister und Deutschen Meister von 2016, zuerst die Stirn, aber auch seine Anfälligkeit für Negativserien. Er führte 5:1 und machte bis zum 6:11 nur noch einen Punkt. Im zweiten Satz wehrte er zwei Satzbälle ab und sicherte mit seinem eigenen dritten das 14:12. Im dritten und vierten dann aber wieder diese Serien von 4:2 zum 6:11 bzw. vom 4:4 zum 5:11. Zu einseitig hatte er sein Spiel auf Angriff mit der Vorhand aufgebaut, als dass es dagegen keine Mittel gäbe. Baum fand sie, doch Zeljkos Vorstellung hatte dennoch etwas Solides an sich.
Drei Mal 1:3, das hört sich nicht nur klar an, es war es letztlich auch“, schloss Andy Albert das Kapitel Saarbrücken. „Die Mannschaft blieb von der Stimmung die ganze Woche über natürlich nicht unbeeindruckt. Nach dazu die vielen Leute um Darko herum hier, dem jeder etwas zu sagen hatte. Es hat die Harmonie etwas gestört. Das waren neue, weniger schöne Erfahrungen. Wir müssen sehen, dass wir darauf richtig reagieren. Bis jetzt ging das mit der Harmonie wie von selbst.“ Und Kilian Ort: „Wir hätten besser spielen müssen. Ohne Mizuki war es natürlich sehr schwer. Saarbrücken musste nicht einmal seine beste Leistung abrufen. Darko hatte eine reelle Siegchance, ich und Filip weniger.“
Ergebnisse:
Franziska – Jorgic 3:1    (4:11/11:4/11:9/12:10)
Tokic – Ort 3:1    (5:11/11:6/11:8/11:3)
Baum – Zeljko 3:1   (11:6/12:14/11:6/11:5)
Zuschauer: 240

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